Der etwas andere Pflegling
Heute möchte ich einmal über einen Pflegling berichten, den nicht jeder pflegt und der ein großen Aquarium benötigt. Ja, er ist schon ein sonderbarer Fisch, der Pfauenaugen- Stechrochen. Unser Vereinsfreund Klaus Ploß beschäftigt sich schon seit längerem mit den nicht ganz üblichen Aquarienbewohnern, dass war mir natürlich einen Besuch wert, um diese wunderschönen Tiere einmal zu sehen. Da stand es nun, wo andere einen Schrank im Wohnzimmer haben, steht bei der Familie Ploß ein drei Meter langes Aquarium. Beim ersten Blick fielen sie uns gleich auf, sie waren auf Grund ihrer Größe nicht zu übersehen, die Pfauenaugen-Stechrochen.
Das große Weibchen hatte eine Länge von gut 70 cm und einen Durchmesser von ca. 50 cm, das Männchen und das andere Weibchen waren mit ihren ca. 50 cm und einen Durchmesser von 35 cm auch nicht gerade klein. Neugierig fragten wir nun Klaus über seine Tiere aus.

Steckbrief:
Name: Potamotrygon motoro Pfauenaugen Stechrochen
Vorkommen: Südamerika: Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien.
Amazonas und Orinoco; die Art besitzt eine weite Verbreitung und kann häufig beobachtet werden.
Körperfarbe: Die Grundfärbung besteht aus olivbraun bis einem dunkeln Grau- braun. Entlang des Körperrands liegen unregelmäßig angeordnete; gelbe oder orange Augenflecken sowie viele kreisförmige Punkte. In der Körpermitte und auf den Schwanz fehlen manchmal die Augenflecken.
GU: Die Männchen sind kontrasreicher gefärbt und haben fingerdicke Verdickungen an den Bauchflossen.
Zucht: Es ist schwierig an genaue Zuchtberichte zu bekommen, man vermutet, dass die Weibchen mit ca. zwei Jahren geschlechtsreif sind. Die Tiere liegen bei der Paarung Bauch an Bauch und sie kann 20 30 Minuten dauern. Die Funktion der männlichen Geschlechtsorgane ist dabei noch unklar. Sie sind lebendgebärend, wobei die genaue Tragzeit nicht klar beschrieben ist, man vermutet beim Pfauenaugen Stechrochen eine Tragzeit von ca. 3 Monaten. Die Anzahl der Jungtiere richtet sich auch nach der Größe der Weibchen, sie kann 1- 8 Tiere betragen. Sie sind bei der Geburt bereits 10 cm groß und sehen aus, wie eine dicke Zigarre, die dann aufdreht wird. Sie sind vollständig entwickelt, auch der Giftstachel. Zur erfolgreichen Zucht wird ein Aquarium von mindestens 2000 Liter vorausgesetzt. Die erfolgreiche Zucht gelingt dem Frankfurter Zoo ständig.
Wasser: Die Temperatur sollte 22 25° , pH unter 7° und gGH um 10°.
Futter: Lebendfutter bzw. tierisch Kost, die Tiere sind da nicht wählerisch, jedoch sollte das Futter der Größe der Tiere angebracht sein.
Wie du weißt, bin ich ein richtiger Aquariumfan, der das Besondere liebt und nicht das, was Otto-Normal-Verbraucher im Gesellschaftsbecken hält. Es war im Sommer 1997 in Berlin Neuköln, in einen Zoogeschäft sah ich das erstemal die Rochen. Ich frage, ob er junge Tiere importieren könnte. Kein Problem antwortete er stolz. Da schwammen die Jungtiere und ich staunte nicht schlecht, die sahen ja Klasse aus. Sie waren sehr farbintensiv und hatten eine Größe von ca. 15 cm, einfach zum verlieben. Ich habe sie sofort angezahlt und am nächsten Tag steckte ich mir genügend Geld ein und holte die Tiere ab. Ich habe mir erst einmal ein Männchen und ein Weibchen gekauft und damit war mein Geld alle, denn die Tiere waren nicht billig rund 600,00 DM kosteten sie.
Eine Woche später habe ich mir dann das zweite Weibchen nachgeholt. Mir war damals schon klar, dass ich von Berlin wegziehen musste und ich mir dann, ein der Größe der Tiere entsprechendes Aquarium einrichten konnte, sonst hätte ich die Tiere gar nicht kaufen dürfen.
Es wäre sonst eine Quälerei gewesen, wenn man die wunderschönen Tiere in zu kleinen Aquarien hält. Das Becken, wo die Tiere jetzt schwimmen, ist 3 Meter lang, 80 cm tief und hat eine Höhe von 60 cm. Wie du siehst hätte das Aquarium noch größer sein können, denn die Tiere haben einen großen Schwimmbedarf. Sie brauchen also Aquarien mit einer großen Grundfläche, schön wäre 300*150*60 cm.
Rochen sind eigentlich urtümliche Fische, sie sind Knorpelfische, die mit den Hai-Arten verwand sind. Wenn sie nicht so hoch spezialisiert und anpassungsfähig wären, hätten sie die Evolution nicht überlebt. Mit ihren hochentwickelten Sinnesorganen sind sie in der Lage sogar lebenden Fisch zu erbeuten, es sind sehr gute Jäger. Außerdem sind sie in der Lage im Sand versteckte Krebse oder anderes Futter mit ihren Sinnesorganen zu finden.
Ich hoffe, daß ich bald mit Nachzucht rechen kann. Da man nicht genau weiß, wann die Weibchen geschlechtsreif werden, weiß ich nicht ob mein großes Weibchen schon soweit ist. Es wird vom Männchen öfters bedrängt und hat immer wieder am Hinterleib kleine Bißwunden vom Männchen, die aber nicht verpilzen sondern immer gut verheilen.
Die Tiere sind Tag und Nacht aktiv. Es wird auch in der Natur beobachtet, dass die Tiere aus den tiefen Wasserzonen ins Flachwasser ziehen, um sich dort zu sonnen. Dort können sie dann für die Menschen gefährlich werden, nämlich wenn man auf sie tritt. Die Rochen verteidigen sich, in dem sie mit ihrem Schwanzende nach dem vermutlichen Angreifer schlagen und ihn dann mit dem Giftstachel, der sich an der Schwanzspitze befindet, verletzen. Dies führt zu sehr schmerzhaften Wunden, die nur sehr schwer heilen und bei Leuten mit Herz- oder Kreislaufproblemen kann dies auch zum Tode führen. Also wer sich einmal mit diesen Tieren beschäftigen möchte, sollte sorgfältig beim Umgang mit diesen Tieren sein. Der Giftstachel unterliegt der Abnutzung und wird von Zeit zur Zeit erneuert, der abgeworfene Stachel ist sehr spitz und giftig.
Wer mehr über diese schönen Tiere wissen möchte sollte sich an Klaus Ploß wenden oder sich den Ratgeber aus dem Bede Verlag "Süßwasserrochen" von Hans Gonella besorgen.
Ich möchte mich ganz herzlich bei Klaus für seine Ausführungen bedanken und ich hoffe, ich habe das auch sinngemäß wieder gegeben.
Euer
Wolfgang Heller
PS. Ein Besuch bei Klaus lohnt sich "aquaristisch" alle Mal.